Kindesmissbrauch

Eine tiefgreifende, gestörte Beziehung schafft für das Kind ungeheuer schwierige Entwicklungsbedingungen.

  • Das Kind muss Primärbeziehungen zu Eltern herstellen, die entweder gefährlich oder aus kindlicher Sicht gleichgültig sind.
  • Es muss Urvertrauen und Geborgenheit bei Eltern suchen, die nicht mehr vertrauenswürdig sind und keinen Schutz bieten.
  • Es muss die eigenen Grenzen im Verhältnis zu Mitmenschen finden, die nachlässig und grausam sind.
  • Es muss die Kontrolle über den eigenen Körper in einer Umgebung erlernen, in der Andere nach ihren Bedürfnissen über seinen Körper verfügen.
  • In einer Umgebung, die keinen Trost bietet, muss es lernen, sich selbst zu trösten.
  • Es muss Initiative entwickeln in einer Umgebung, die verlangt, dass es seinen Willen dem Willen des misshandelnden Elternteil vollständig unterwirft.
  • Schließlich muss es, in einer Umgebung in der alle intimen Beziehungen gestört sind, die Fähigkeit zu intimen Beziehungen entwickeln und eine eigenständige Persönlichkeit werden obwohl es in dieser Umgebung als Sexualobjekt und / oder Sklave definiert wird.

Die existenziellen Schwierigkeiten, die ein missbrauchtes Kind zu bewältigen hat, sind ungeheuerlich. Obwohl es sich einer gnadenlosen Macht ausgeliefert fühlt, darf es die Hoffnung nicht verlieren und muss an einen Sinn glauben. Absolute Verzweiflung, die einzige Alternative, kann kein Kind ertragen.

Um sich das Vertrauen der Eltern zu bewahren, sollte das Kind die nahe liegende Schlussfolgerung, dass nämlich die Eltern extrem gestört sind, nicht beachten. Es wird sowieso alles tun, um eine Erklärung für sein Schicksal zu finden, die seine Eltern von jeder Schuld und Verantwortung freispricht. Alle psychischen Anpassungsmanöver des Kindes dienen in erster Linie dem Zweck, die ursprüngliche Bindung an die Eltern zu erhalten, obwohl es täglich ihre Bosheiten oder Gleichgültigkeiten erleben muss. Um dieses Ziel zu erreichen, greift das Kind auf vielfältige psychische Abwehrmechanismen zurück. Mit Hilfe dieser Abwehrmechanismen wird der Missbrauch entweder aus dem Bewusstsein und Gedächtnis verdrängt, bis die schlimme Tat scheinbar gar nicht stattgefunden hat, oder er wird heruntergespielt, rationalisiert und entschuldigt, so dass das Geschehene kein Missbrauch mehr zu sein scheint.

Da das Kind der Realität weder entfliehen noch sie ertragen kann, muss es das Erlebte psychisch umdeuten. Kindliche Opfer wollen den Missbrauch möglichst total verleugnen. Deshalb versuchen sie, den Missbrauch vor sich selbst geheim zu halten. Das gelingt mit direkter Leugnung, freiwilliger Unterdrückung entsprechender Gedanken und dissoziativen Reaktionen. Schulkinder können sich im Allgemeinen gut in Tagträume oder andere dissoziativen Zustände versetzen. Doch Kinder, die misshandelt oder missbraucht werden, entwickeln diese Fähigkeiten zu einer hohen Kunst. Verschiedene Untersuchungen haben einen Zusammenhang zwischen dem Grat der Vertrautheit mit dissoziativen Zuständen und der Schwere der Kindesmisshandlung nachgewiesen. Die meisten kindlichen Missbrauchsopfer berichten, dass ihnen der Umgang mit Trance einigermaßen geläufig war, einige erreichten sogar eine Art Virtuosität im Umgang mit Dissoziationen. Sie lernten starke Schmerzen zu ignorieren, ihre Erinnerungen hinter komplexen Amnesien zu verstecken, ihr Gefühl für Zeit, Orte oder Menschen zu beeinflussen und Halluzinationen oder Zustände der Besessenheit herzustellen. Manchmal werden die Bewusstseinsveränderungen bewusst herbeigeführt, doch häufig geschehen sie automatisch und werden als fremd und unfreiwillig empfunden.


Ich danke Karin für diesen Bericht.


WIR SCHAFFEN ES.

10.10.2009

momagi_schriftzug