Ein wichtiger Brief!

Ich habe mich schon längere Zeit mit den Gedanken getragen, der Bundesministerin für Familie / Senioren / Frauen- und Jugend einen Brief zu schreiben, der die Verjährungsfrist der Straftäter für sexualisierte Gewalt betrifft. Es kann nicht sein, dass die Täter so glimpflich davon kommen, wo sie doch sehr großen seelischen Schaden anrichten und die Existenz der Opfer völlig vernichten. Die Verjährung nach 30 Jahren reicht nicht aus, es muss für diese Täter die Möglichkeit geschaffen werden, dass sie ein Leben lang belangt werden können.  Ich habe diesen Brief auch an den Bundesbeauftragten für Kindesmissbrauch, Herrn Johannes-Wilhelm Rörig gesendet und werde auch diesen Brief an die Bundesministerin für Justiz schreiben.

Im Folgenden der Text des oben erwähnten Briefes:

Sehr geehrte Frau Dr. Kristina Schröder,
ich bitte Sie, die Fristenregelung für Straftäter der sexualisierten Gewalt, nochmals zu überdenken. 30 Jahre Verjährung ist nicht genug, es muss Lebenslang lauten.

Leider ist die Aufarbeitung der Opfer oft erst im fortgeschrittenen Alter möglich, weil die Opfer an Sprachlosigkeit leiden und ein hohes Verdrängungspotenzial haben. Vielen Opfern ist es nicht möglich über das Geschehene zu sprechen, weil sie unter enormer Angst leiden. Täter verbieten den Opfern darüber zu sprechen. Die Sprachlosigkeit dauert mehrere Jahrzehnte und die Aufarbeitung ein Leben lang.

Ich wurde im Alter von 6 Jahren vergewaltigt und sexuell missbraucht. Ich musste erst schwer erkranken, um in die Aufarbeitung zu gehen. Als ich an die Öffentlichkeit ging, war ich schon 54 Jahre alt. So ergeht es vielen Opfern.

Ein Vergewaltiger  muss ein Leben lang zur Rechenschaft gezogen werden können. Auch sollten Täter bei den Kosten der Therapien und Kliniksaufenthalte für die Opfer, zur Rechenschaft herangezogen werden.

Der volkswirtschaftliche Schaden ist enorm und viele Opfer sind so kaputt, dass sie nicht mehr arbeiten können und die Erwerbsunfähigkeitsrente beantragen müssen. Um diese Rente zu erhalten, werden die Opfer durch die Behördenmühlen gedreht und müssen das bisschen Rente per Gerichtprozesse erstreiten. Das kostet sehr viel Energie und Nerven, die nur begrenzt zur Verfügung stehen.

Viele Täter kommen mit 1 bis 2 Jahre Gefängnis auf Bewährung davon und brüsten sich noch mit "Der hab ich es aber gegeben". Oft werden die Täter bedauert, was eigentlich den Opfern zu stünde.

Jede fünfte Frau in Deutschland ist ein Vergewaltigungsopfer. Das ist die Zahl auf Grund der Anzeigen, jedoch die Dunkelziffer ist erschreckend höher. Gewaltopfer ist jede dritte Frau / Mädchen. In jeder zweiten Schule gibt es Missbrauchsfälle, das ist erschreckend.

Ich habe 2008 eine Selbsthilfegruppe für Opfer sexualisierter Gewalt gegründet. Mein Grundgedanke ist, aus Opfern Überlebende zu machen. Sie sollten die Möglichkeit haben mit dem, was geschehen ist, zu überleben. Ich hatte in vielen Kliniksaufenthalten in der Aufarbeitung wenig Hilfe und Unterstützung vom Pflegepersonal sowie von Ärzten und Psychologen. Im Gegenteil, ich ging kaputter raus als ich rein ging.

Stellen Sie sich vor, Sie seien ein Opfer und müssten Ihre Existenz sichern!!! Würden Sie alle Widrigkeiten überstehen?

Deswegen vollziehen immer wieder  Opfer  den Suizid, weil die Energie nur noch dafür reicht. Ich vermerke noch, dass es auch männliche Opfer gibt. Die leiden genauso wie die Frauen und Mädchen.

Es gibt auch Opfer unter den Tätern. Deren Gewalterfahrung führt oft dazu, diese an die Gesellschaft weiter zu geben, weil sie anders nicht klarkommen. Außerdem haben viele ein gestörtes Sexualverhalten. Sorgt bitte auch dafür, dass die Täter eine fundierte und sinnvolle Therapie bekommen. Härtefälle sollten ein Leben lang verwahrt werden. Mir steht es nicht zu, Täter zu verurteilen, das ist Aufgabe der Richter & Co. Sie sollten sich im Klaren sein, dass es wichtig ist die Menschen vor weiteren Schäden zu bewahren.

Es war mir ein Bedürfnis Ihnen diesen Brief zu schreiben, auch das gehört zur Aufarbeitung.

Lieben Gruß von Momagi .

 

22.07.2013

momagi_schriftzug